Schlußbetrachtung

Start Einleitung Kephalos: Definition der Gerechtigkeit Polemarchos: Definition der Gerechtigkeit Polemarchos: Gerechtigkeit und Techne Die Erziehung des Philosophenkönigs Die Idee des Guten und die Gerechtigkeit Aufgabenbereich der Gerechtigkeit bei Polemarchos Thrasymachos: Definition der Gerechtigkeit Thrasymachos: Die ersten Gegenargumente Thrasymachos: Das Pleonexie-Argument Thrasymachos: Das Kooperationsargument Thrasymachos: Das Ergon-Argument Schluss

Schlußbetrachtung

Drei Definitionen der Gerechtigkeit präsentierte Platon im ersten Buch der Politeia. Bemerkenswert ist die Erkenntnis, daß alle drei aufeinander aufbauen und ihre Anwendung etwas Entscheidendes voraussetzt: die Erkenntnis von Verhältnismäßigkeiten. Diese Erkenntnis setzt eine Reflexion über die zu begehende Handlung voraus. Plädierte Kephalos mit seiner Gerechtigkeit des Ausgleichs dafür, daß man das Schuldige zurückgibt, scheiterte er daran, nicht zu erkennen, wie das Abtragen des Schuldigen am gerechtesten wäre.

Polemarchos erweitert die Definition seines Vaters hin zu einer Gerechtigkeit der Vergeltung. Vergeltung in dem Sinne, daß man nicht nur seinem Freunde etwas schuldig ist, sondern auch seinem Feinde. Dieses Motiv der Rache, welches in Kephalos` Gesellschaft verpönt ist, ebnet den Weg für Thrasymachos` Bürger. Sein Bürger hat erkannt, warum Polemarchos` Gerechtigkeit nicht funktioniert: die mangelnde Erkenntnis, wer der wahre Freund und der wahre Feind ist. Diesem Umstand entgeht er, indem er alle zu seinen Feinden erklärt und somit niemandem etwas schuldig ist. Sein Handeln zielt nur auf das Beste für seine Person. Aber auch hier tritt wieder die mangelnde Erkenntnis in Erscheinung: was ist das Zuträglichste für seine Person?

Nachdem der Dialog folgende Kernfragen verhandelte: Was ist Gerechtigkeit? Ist die Gerechtigkeit Tugend und Weisheit? Verschafft die Gerechtigkeit als Gewinn die Eudaimonie?, kommt Sokrates zum Schluß, daß keine der drei Fragen hinreichend geklärt worden ist. Denn erstens sei das Wesen der Gerechtigkeit nicht genügend von ihnen präzisiert worden, somit sind auch die beiden letzten Fragen nach den Qualitäten der Gerechtigkeit nur unzureichend beantwortbar.

Dennoch lieferte der Dialog Ansatzpunkte für das Wesen der Gerechtigkeit:
1. Der Gerechte will niemandem Schaden zufügen, also nur jedermann Gutes antun.
2. Die Gerechtigkeit zielt als echte Techne nicht auf das Zuträgliche für den Handelnden selbst, sondern vielmehr auf das Wohl der dem Handelnden anvertrauten Personen.
3. Die Gerechtigkeit ist die Voraussetzung dafür, daß der Mensch mit anderen Menschen und sich selbst einig ist.