Kephalos:Definition der Gerechtigkeit

Start Einleitung Kephalos: Definition der Gerechtigkeit Polemarchos: Definition der Gerechtigkeit Polemarchos: Gerechtigkeit und Techne Die Erziehung des Philosophenkönigs Die Idee des Guten und die Gerechtigkeit Aufgabenbereich der Gerechtigkeit bei Polemarchos Thrasymachos: Definition der Gerechtigkeit Thrasymachos: Die ersten Gegenargumente Thrasymachos: Das Pleonexie-Argument Thrasymachos: Das Kooperationsargument Thrasymachos: Das Ergon-Argument Schluss

 


Kephalos: Definition der Gerechtigkeit

Kephalos` Definition liegt die Idee des Nichtsschuldigbleiben zugrunde. „Denn das man nicht leicht wider Willen jemanden übervorteilt oder hintergeht oder auch einem Gott irgend Opfergaben oder einem Menschen Geld schuldig bleibt und so in Frucht davon gehen muß, dazu kann ihn der Besitz des Reichtums gar vieles beitragen.“(Pol. 331 b) Kephalos` Vorstellung der Gerechtigkeit entsteht aus seinen Lebensumständen. Reich und alt geworden, kann er es sich leisten, gerecht zu sein. Schuld abzutragen scheint ihm oberstes Gebot der Gerechtigkeit.

Kephalos` Gerechtigkeit ist an den Reichtum gebunden. Für seine Gerechtigkeit braucht es zwei Dinge: die gute Gesinnung, niemanden etwas schuldig bleiben zu wollen und Reichtum, um das Geschuldete abzuleisten. Diese Definition, die Moral und materielle Voraussetzung verbindet, hat als Konsequenz für den, der nicht in der Lage ist, seine Schuld abzuleisten, ungewollt Unrecht zu verüben als Folge. Die gute Gesinnung spielt bei ihm keine Rolle. Sie kommt nicht zum Tragen, solange die materiellen Voraussetzungen ihm nicht die Gelegenheit geben, sich zu entfalten. Im Gegenzug verhält es sich bei dem Reichen andersherum. Hier verhilft der Reichtum alleine nicht zur Gerechtigkeit, sondern die gute Gesinnung kann die Gerechtigkeit erst ermöglichen. Fundamental ist der Dualismus, der hier in Erscheinung tritt. Die Formulierung „Reichtum ist also nützlich für die Gerechtigkeit, oder genauer noch: Reichtum macht es einem leichter, keine ungerechten Handlungen zu begehen.“ unterschlägt das Gravierende in Kephalos` Definition.

Das Entscheidende ist aber vielmehr: Kephalos` Gerechtigkeit bezieht sich auf ihn selbst. Sein Gerechtigkeitsempfinden dient im Grunde nur seiner Gewissensberuhigung. „Denn teils die Erzählungen von der Unterwelt, daß wer hier ungerecht gewesen ist, dort Strafe leiden muß.“(Pol. 330d) sind es, die ihn seine Gerechtigkeit anwenden lassen. Mit anderen Worten: Kephalos` Gerechtigkeit basiert vornehmlich auf der Furcht vor den „Erzählungen der Unterwelt“(Pol. 330 d) und weniger auf eine wohldurchdachte Idee der Gerechtigkeit. Es ist das „ethische Wissen der Väter“, was Kephalos hier vertritt. Eine Sittenlehre und übernommene Moralvorstellungen von dem was der griechische Polisbürger im Umgang miteinander für gerecht hält. Damit repräsentiert Kephalos „den Inbegriff des wohlmeinenden, maßhaltenden Besitzbürgers, der ein anständiges Leben führen will.“ Aber der Grundsatz „jedem das Schuldige zurückzuzahlen“ ist ein wackliger Unterbau zur Führung eines anständigen Lebens.

Denn gerade und vor allen Dingen in gesellschaftlichen Fragen zeigt diese Erklärung ihre Schwächen. Ein einziges Beispiel genügt, Sokrates den Schwachpunkt aufzuzeigen. Die geliehene Waffe darf nicht zurückgegeben werden, wenn sie dem Verleiher nun Schaden zufügt.(Pol. 331c)

In der Gesellschaft des Kephalos werden ständig im stillen Einvernehmen Verträge abgeschlossen, die auf dem Grundsatz, Nutzen mit Nutzen zu vergelten, fußen. Doch die Einhaltung erfordert mehr als nur Schuld zurückzuzahlen. Denn „nicht der Vertrag garantiert Gerechtigkeit ,sondern die Erkenntnis, wann und wie er zu erfüllen ist.“
Ansonsten ergibt sich aus dieser Art von Gerechtigkeit unter bestimmten Voraussetzungen die Ungerechtigkeit. Mit dieser Erkenntnis konfrontiert muß Kephalos als Dialogpartner des Sokrates die Bühne verlassen.


 

 

 

Schreiner Fakten